Fenster mit Einfachverglasung – ein Relikt aus der Vergangenheit

Einfachverglasung

Einfachverglasung besteht aus einer einzelnen Fensterscheibe und ist meistens in Altbauten oder denkmalgeschützten Gebäuden anzutreffen.

In Deutschland galt sie bis in die 1970er-Jahre als Standard im Wohnungsbau. Nach Einführung der ersten Wärmeschutzverordnung im Jahr 1977, spätestens aber nach der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2002, änderte sich das:

Seitdem sind bei Neubau und Sanierung Mindestdämmwerte für Fenster erforderlich, die mit einfachen Glasflächen nicht erreicht werden können. Die Energieverluste durch einfaches Fensterglas führen meist zu unerfreulichen Nebenwirkungen.


Einfachverglasung und ihre Nachteile

Jahrhundertelang wurde einfach gesetztes Glas in Fenstern eingebaut. Denn Einfachfenster haben auch gewisse Vorteile: Sie lassen sehr viel Licht und Wärme durch. Heute ist ihr Anschaffungspreis zudem unschlagbar günstig.

Allerdings sind ihre Nachteile genauso enorm: Wer Energiekosten im Haushalt sparen will, wird sich an ihnen dumm und dämlich zahlen, denn sie können Wärmeverlust nicht gut genug unterbinden. Einfach verglaste Fenster neigen daher besonders im Winter zu Schwitzwasserbildung, das vereisen kann. Zu den Nachteilen gehören:

  • hohe Heizkosten: Wo die einfachen Scheiben heute noch zum Einsatz kommen, trägt man in der Regel horrende Kosten für die Heizung.
  • Sicherheitsrisiko: Es besteht eine hohe Verletzungsgefahr, wenn eine Glasscheibe zu Bruch geht.
  • klimaschädigend: Fenster mit Einfachglas sind große Energiefresser, die die Umwelt stark belasten.
  • miserabler Schallschutz: Straßenlärm und Alltagsgeräusche strömen fast ungebremst ins Innere des Hauses hinein.
  • schlechter Einbruchsschutz: einfaches Glas leistet gegen Einbrecher keinen Widerstand.

Die einfache Fensterverglasung entspricht also nicht den zeitgemäßen Ansprüchen an Wärmeisolierung und Schalldämmung. 

Im modernen Wohnungsbau und Altbausanierungen ist sie daher auch nicht mehr zulässig. Zuletzt ist der U-Wert, also der Wärmedurchgangskoeffizient, der den Wärmeverlust angibt, bei Einfachfenstern etwa fünfmal höher als bei modernen Isolierverglasungen. Die umweltschonenden Alternativen mit besserer Wärmedämmung sind z.B. eine Doppelverglasung oder spezielle Isolierfolien. Bei Mehrscheiben-Isolierglas befindet sich zwischen den Glasflächen ein Hohlraum, der mit Luft oder mit einem Edelgas gefüllt ist, was die Wärmeisolierung deutlich verbessert.

Energieverlust Einfachverglasung


 Schlechter Wärmeschutz und hohe Heizkosten 

Obwohl einfachverglaste Fenster nostalgisch und charmant sind, können sie leider den heutigen Anforderungen an die Wärmedämmung nicht standhalten.

Sie sind einerseits schlecht isoliert und andererseits sind die Fensterritzen oft undicht, sodass durch Luftzug zusätzlich viel Heizenergie verloren geht und zu viel Wärme von innen nach außen gelassen wird. 

Besonders im Winter ist gut erkennen, wenn es an der Fensterinnenseite zu starken Kondensationserscheinungen durch die kalte Oberfläche kommt, manchmal sogar zur Bildung von Eiskristallen.
Teure Heizenergie strömt dann aus dem Raum ins Freie, anstatt die Wohnung oder das Haus warm zu halten. Das belastet nicht nur den Geldbeutel der Bewohner, sondern auch die Umwelt.


Anforderungen an Fenster nach der Energieeinsparverordnung 2014

Die EnEv ist eine Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz und energiesparende Anlagentechnik bei Gebäuden, in der Anforderungen an alle beheizten und klimatisierten Bauanlagen festgelegt sind. Ihre Vorgaben betreffen neben der Klima- und Heizungstechnik vor allem den Wärmedämmstandard des Hauses.

Die derzeitige Fassung der EnEV ist am 1. Mai 2014 in Kraft getreten. Die Bundesregierung will dadurch einen weiteren wichtigen Schritt zur Umsetzung ihrer umweltpolitischen Ziele unternehmen. 

Es ist politischer Wille, die CO2 -Emissionen in Deutschland bis zum Jahr 2020 um 40 % zu verringern. Das größte Potenzial zur Energie- und Kohlendioxid-Einsparung liegt in der Verringerung des Heizwärmebedarfs für Häuser.

Würden alle Einfachfenster auf den heutigen Stand der Technik gebracht, wäre eine Einsparung der Energie von insgesamt 15 Milliarden Kilowattstunden oder 1,5 Milliarden Liter Heizöl pro Jahr möglich.


Angaben zum U-Wert am Fenster

Falls Sie neue Fenster brauchen und sich mit diesem Thema befassen, um eine Auswahl zu treffen, dann finden Sie im Folgenden eine kurze Beschreibung und Erklärung zu den Angaben, die die wärmetechnische Qualität Ihrer Fenster beschreiben.

  • Ug: spezifischer Wärmeverlust der ungestörten Verglasung
  • Uf: spezifischer Wärmeverlust des Rahmens
  • Uw: spezifische Wärmeverlust für das gesamte Fenster (Verglasung mit Rahmen)

Laut Experten wird bei Einfachfenstern im Vergleich zu modernen Wärmeschutzfenstern das Fünffache an Wärme durchgelassen. Der Uw-Wert ist somit auch fünfmal höher.

Generell gilt: Je kleiner der Wert, umso weniger Wärme geht verloren. Ein einfaches Fensterglas besitzt einen Uw-Wert von circa 5,0 W/m2K aufwärts und liegt somit weit über den von der EnEV geforderten U-Werten für Fenster. Aktuell besteht die Anforderung, dass bei einer kompletten Fenstererneuerung der Uw-Wert in beheizten Räumen höchstens 1,3 W/(m²K) betragen darf. Wird bei einem Fenster mit gut erhaltenem und energetisch 

günstigem Rahmen nur die Verglasung ausgetauscht, darf diese einen maximalen Ug-Wert von 1,1 W/(m²K) aufweisen. 

Oberlichter einfach verglast


Sondergenehmigungen

Sonderverglasungen, historische Fenster oder solche in bestimmten Nichtwohngebäuden bilden oft Ausnahmen, bei denen es zu Abweichungen bezüglich der Isolierung kommen darf.

Die Werte sind daher in der Energieeinsparverordnung niedriger angesetzt. Die EnEV gilt nicht für:

  • denkmalgeschützte Gebäude
  • Betriebsgebäude, in denen Tiere gehalten werden
  • unterirdische Bauwerke
  • Gewächshäuser
  • Häuser, die weniger als vier Monate pro Jahr beheizt werden

Lösungsmöglichkeiten: So können Sie den Wärme- und Schallschutz erhöhen

Sie sind Liebhaber von historischen Jugendstilhäusern, antiken Bauernhäusern oder unsanierten Altbauten und möchten Ihre historischen Einfachfenster nicht auswechseln lassen? Keine Sorge, es gibt heutzutage auch einige Alternativen, um die isolierende Wirkung zu verbessern und die durch das Heizen entstehenden Kosten zu reduzieren.

Spartipps bei Einfachverglasung

Es gibt Möglichkeiten, die Ihnen helfen, einem Energieverlust hauptsächlich im Winter entgegenzuwirken, ohne dass Sie die Glasscheiben austauschen oder neue Fenster montieren müssen. Hier finden Sie unsere Vorschläge zu dem Thema:

Gummidichtung: Alte Fenster mit Einfachverglasung können durch das Anbringen einer Gummidichtung zusätzlich ausgerüstet werden. Dadurch wird zwar an der Wärmedämmung der Scheibe nichts geändert, aber die Zugluft wird reduziert. Dies ist eine sehr kostengünstige und simple Möglichkeit (der Preis beträgt ca. 5 €), die allerdings alle paar Jahre erneuert werden muss, weil das Material schnell abgenutzt wird.

Spezielle Fensterfolien: Auf dem Markt findet man isolierende Folien und Kälteschutzfolien, die auch Energiesparfolien, Isolationsfolien, Ganzjahresfolien oder Low-E-Folien genannt werden. Dank solcher Folien können Sie die Heiz- bzw. Energiekosten senken und somit den CO2-Ausstoß verringern. Idealerweise werden diese kälteabweisenden Folien auf einfache Fenster angebracht, um die Wärmeisolierung um bis zu 60% zu steigern. Diese schützenden Folien sind relativ günstig und erhalten optisch den Originalzustand der Fenster.

Vorsatzscheiben: Vorsatzscheiben werden auf der Innenseite der Fensteroberfläche befestigt, dadurch können die Altbaufenster ihren Charme und Charakter erhalten. Sie erreichen allerdings keinesfalls die gleichen Wärmedämmwerte wie eine gebräuchliche Wärmeschutzverglasung.


Dank dieser Methoden kann man sowohl Geld für die Sanierung als auch Energie einsparen. Wenn Sie aber eine langfristige Lösung finden möchten, um Kosten für die Heizung zu reduzieren und Energie zu sparen, ist eine Fenstersanierung durchaus sinnvoll.

Sind die Fensterrahmen gut erhalten, reicht es schon aus, nur die Glasscheiben auszutauschen, um eine gute Wärmeisolierung sowie vertretbaren Schallschutz zu gewährleisten.

Fenster mit Sprossen und Einscheibenverglasung


Rechtfertigt eine einfache Fensterverglasung eine Mietminderung?

Die EnEV 2014 fordert die Eigentümer zwar auf, schadhafte Fenster auszutauschen, aber der Austausch rentiert sich auch: Ein niedrigerer Energiebedarf und geringe Heizkosten liegen vor allem im Eigeninteresse. Undichte Fenster oder Schimmel am Fenster können Hinweise auf eine notwendige Sanierung sein.

Das betrifft auch die Vermieter. Bei Verkauf oder Vermietung eines Gebäudes wird die Energiesparverordnung nämlich auch wirksam. Die Einhaltung der Werte muss in diesem Fall durch einen Energieausweis nachgewiesen werden.

Vertreten Sie jedoch als Mieter die Meinung, dass einfachverglaste Fenster eine Mietminderung begründen, sind Sie leider im Unrecht:
Es kommt ganz genau darauf an, was in Ihrem Mietvertrag steht. Was haben Sie zu welchen Bedingungen gemietet? 

Kommen die Fenster trotz Einfachscheiben ihrem Zweck nach, werden Sie eine Mietminderung nur unwahrscheinlich durchsetzen können.

Haben Sie dennoch herausgefunden, dass durch undichte Fenster oder Türen Kälte und Feuchtigkeit ins Haus eindringen können, sind Ihre Aussichten auf eine Mietminderung schon etwas höher. Der wichtigste Umstand ist der Zustand der Wohnung, wie dieser bei Abschluss des Mietvertrags war.

Haben Sie also eine Wohnung gemietet, die über einfache Fenster verfügt, können Sie keine Minderung Ihrer Mietzahlungen durchsetzen. Falls die Fenster aber z.B. nach dem Einzug und im Lauf der Zeit an Dichtigkeit verlieren, sieht es anders aus. Dann muss der Vermieter dafür sorgen, dass Sie andere Fenster bekommen. Diese müssen dann mindestens den Standard erfüllen, den Sie beim Einzug vorgefunden haben. 


Einfachverglasung – Vorteile und Einsatzmöglichkeiten

Trotz all dieser Nachteile haben einfachverglaste Fenster auch Vorteile und finden heute damit einige Einsatzgebiete. Der wichtigste Vorzug von Einfachverglasungen sind die geringen Produktionskosten, die wiederum den niedrigen Anschaffungspreis begründen.

Ein weiterer Vorteil besteht in ihrer unbegrenzten Farbenvielfalt: Kirchengläser oder dekorative Butzenscheiben, die heute oft noch teilweise in alten Häusern zu sehen sind, werden aus einfachen Glasscheiben gefertigt, die den Fenstern einen besonderen Charme verleihen.

Darüber hinaus spielen auch Temperatur und Licht eine große Rolle: So werden Räume, die mit einfachverglasten Fenstern ausgestattet sind, sehr hell und erwärmen sich schneller. Aus diesem Grund finden Einfachglasfenster heute überall dort Verwendung, wo die Vorteile die Nachteile überwiegen: Sommer- oder Gartenhäuser, die nicht geheizt werden müssen, werden oft mit einfachen Scheiben versehen.

Einfachverglasung kommt auch bei historischen Fenstern im Denkmalschutz zum Einsatz, bei denen es zu Ausnahmen oder Einschränkungen bezüglich des Wärmeschutzes kommen kann. Es gibt jedoch auch andere Einsatzgebiete, bei denen man einfache Glasscheiben verwenden kann. Sie dienen meistens nur noch rein dekorativen Zwecken.

Wo kommen einfache Glasscheiben zum Einsatz?

Glas ist ein einzigartiges Material, das den Architekten, Designern und Dekorateuren ein ganzes Spektrum an Anwendungsgebieten offeriert und ihnen unbegrenzte Möglichkeiten gibt, frei ihre einzigartigen Ideen zu Innenarchitektur zu schaffen.

Einfachscheiben können in unterschiedlichen Stärken von 2 mm bis 19 mm produziert werden. Hier findet man sie vor:

  • bei Gewächshäusern oder Wintergarten
  • für Bilderrahmen
  • für Möbel
  • für Glastischplatten
  • für Glasschiebetüren
  • für Trennwände
  • für Duschkabinen
  • zu Dekorationszwecken

Einfache Holzfenster sorgen hauptsächlich für eine edle Optik und natürliches Aussehen. Sonstige einfach verglaste Elemente hingegen, wie Türen oder Wände, geben Wohnräumen oder Büroräumen ein Gefühl der Leichtigkeit und Offenheit und erhöhen dadurch auch ihren Wert.

Einfachverglasung im Altbau


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